Tag 8: Berlin - Magdeburg - Berlin

Am Freitagmorgen ging es bereits früh von unserer nächtlichen Unterkunft am Wannsee aus die wenigen Kilometer ins nahe gelegene Berlin. Uns erwartete am Brandenburger Tor ein üppiges Frühstück, auf das uns Herr MdB Josip Yuratovic eingeladen hatte und dem wir im Folgenden bereitwillig und gerne Auskunft über den bisherigen Verlauf unserer Fahrt gaben. Während er sich im Anschluss auf direktem Weg zum Flughafen begab, übernahm sein Mitarbeiter Herr Menzel die Aufgabe uns eine kleine Führung durch den Bundestag zu geben. Blendend aufgelegt und um einige Informationen und Anekdoten reicher trennten sich daraufhin die Wege von Herrn Menzel, von Jürgen und Florian. Während die Letzteren den Weg nach Magdeburg auf sich nahmen, um dort die ‚Schwabenstolz‘ in Empfang zu nehmen, begaben sich die Verbliebenen auf eine kleine Tour durch Berlin. Zum Wiedersehen kam es einmal erst nach Einbruch der Dämmerung. Mittlerweile hatte sich auch Theo eingefunden. Entgegen der Planung im Vorfeld stand seit Köln die Idee im Raum, am bevorstehenden Korso nicht mit einem, sondern gleich mit zwei Booten teilzunehmen. Mit der mittlerweile wiederhergestellten ‚Schwabenstolz‘ und der als Ersatzboot mitgeführten ‚Albert Fischer‘. Die Nachmeldung hatte tadellos funktioniert, einzig das Slippen in Spandau und eine anschließende Fahrt bis zur gemeinsamen Anlagestelle am Strandbad stand noch aus. Pünktlich mit den letzten Lichtstrahlen machten wir uns daher zu einer rund einstündigen Fahrt auf. Nicht nur der Zeltplatz als nur eine von mehreren Übernachtungsmöglichkeiten für die Teilnehmer der Jubiläums hatte sich in der Zwischenzeit beachtlich gefüllt, auch der Verkehr auf Spree und See schwoll zunehmend an. Eine Szenerie erfüllt von Rot und Gelb (und zumindest Teilen von Orange), die doch nur einen kleinen Vorgeschmack von dem lieferte, was da noch kommen sollte.  Der Abend im Anschluss wurde für die meisten von uns noch ein langer, gegen 22:30 Uhr machte sich der Großteil der Mannschaft auf, zumindest ein kleineres Abendmahl zu sich zu nehmen. Fündig wurden wir schließlich erst in Berlin selbst. Das Klingeln der Wecker gegen 5:30 Uhr wirkte daher noch einen Tick unerbittlicher.

 

 

Tag 7: Von Magdeburg nach Berlin

Die letzte Tagesetappe bis nach Berlin lag vor uns. Sechs lange und fordernde Tage hinter uns. Noch bevor an eine Weiterfahrt zu denken war, galt es an diesem Morgen einmal den Bootsmotor zu inspizieren, zudem waren über Nacht Stimmen laut geworden, die auf Einkehr in eine nahegelegene Apotheke pochten. Bei Tageslicht betrachtet, stellte sich heraus, dass die neu eingesetzte Gummimuffe gebrochen war und der Motorraum von der Fahrt am Abend zuvor abermals unter Wasser stand. Das Material hatte sich den Belastungen einer Bergfahrt bei starker Strömungen als nicht gewachsen erwiesen. Ein letzter Versuch den Kühlkreis zu schließen blieb unter diesen Umständen ohne Erfolg. Die Fahrt auf der Elbe, einmal mehr gegen die Strömung, verkam zur Belastungsprobe. Unsachgemäß entsorgte Autoreifen, Baumstümpfe und ähnliche Hindernisse sorgten für die nötige Abwechslung. Wenige Kilometer waren wir weit gekommen, die Strömung geriet immer reißerischer. Erneut geriet die Schwabenstolz zum Dampfbad, mit letzter Kraft erreichten wir das nahe Ufer. Drei Mann waren nötig, in Windeseile die Leinen am Ufer zu fixieren.

Spätstens nun war fachmänniche Hilfe nötig. Alsbald hatten wir eine Werft in der Nähe aufgetan. Dort versicherte man uns, dass die Reparatur-Arbeiten bis zum Mittag des Folgetages erledigt sein würden. Und so kam es. Schweren Herzens trennten wir uns für die Dauer eines Tages von der Schwabenstolz. Wir selbst machten uns im Konvoi zu Land auf, die letzten verbliebenen Kilometer nach Berlin hinter uns zu bringen. Denn es galt Sandra in Berlin aufzulesen und das Zelt am Wannsee aufzubauen. Am nächsten Tag zunächst einen Termin im Bundestag wahrzunehmen, danach den Rückweg anzutreten, um die Schwabenstolz in Magdeburg in Empfang zu nehmen, den Rück-Rückweg nach Berlin zu absolvieren, parallel Theo in aufzulesen, beide Boote zu Trailern, an der obligatorischen Bootsführerbesprechung teilzunehmen, um so und schlußendlich am Samstagmorgen doch noch einsatzbereit stehen zu können.

 

 

Tag 6: Von Hildesheim nach Magdeburg

Die Reparatur der Schwabenstolz stand nach wie voraus, die den Rest des Abends wie den Vormittag des Folgetags benötigen sollte. Andreas, Sascha und nicht zuletzt Uli war es zu verdanken, dass wir trotz einiger Verspätung doch noch Wasser sahen. Bei letzten Nachjustierungen vor Ort ging uns der Hafenmeister Manfred, zur Hand. Er, der uns eben noch den Weg gewiesen hatte, erwies sich nicht nur als als erfahrener Seemann, sondern in seiner Hilfsbereitschaft auch als Meister der Improvisation. Nach langen Überredungsversuchen nahm er final doch noch zumindest eine Flasche Wein im Empfang.

Jürgen, Sascha und Josef machten sich auf die Schwabenstolz auf dem Wasserweg nach Magedburg zu bringen. Die Fahrt auf der Straße und im Verbund währte nach den Stunden des Stillstands nicht lange. Nachdem wir uns zuletzt noch den Weg über das Magdeburger Kopfsteinpflaster gebahnt hatten, stand einem Bezug unseres Quartiers nichts mehr im Wege. Ausnahmsweise nicht bei einer Ortsgruppe der DLRG, sondern aus Platzgründen beim ortsansässigen Kanu-Club. Idyllisch gelegen wenn auch auf engstem Raume. Dieser Umstand gepaart mit dem Heizstrahler, als einzige Wärmequelle und der gerade einsetzende Erkältungswelle innerhalb der Gruppe versprach eine vergnügsame Nacht.

Diese näherte sich tatsächlich unaufhaltsam, sodass die Schwabenstolz zu weit fortgeschrittener Stunde immer noch nicht eingetroffen war. Aufklärung versprach ein Telefonat. Die Besatzung der Schwabenstolz hatte sich bis etwa 21:30 Uhr nach Magdeburg herangetastet. Zu weit fortgeschrittener Stunde hatte man noch einen Schleusenvorgang hinter sich bringen müssen.

Nicht nur die Lichtverhältnisse sorgten derweil für Besorgnis, sondern einmal mehr der Zustand des Motors: ‚Smoke on the water‘. Sichtlich gezeichnet trafen Jürgen, Sascha und Josef gegen etwa 23:30 Uhr an unserer Unterkunft ein. Ein langer Tag unter vielen.

Tag 5: Von Bohmte nach Hildesheim

Von Bohmte ging es am nächsten Morgen weiter in Richtung Hildesheim. Für den frühen Nachmittag hatten wir einen Zwischenstopp bei der Bundesgeschäftsstelle in Bad Nenndorf eingeplant. Die Fahrt an diesem Morgen, vorbei an Minden und der dortigen Flusskreuzung, verging flott. Andreas, Sascha und Josef trafen frühzeitig zu Land in Nenndorf ein und schloßen dort zum ersten Mal persönlich Bekanntschaft mit uns zum Teil bereits eingehend vertrauten Stimmen.

Derweil lagen wir zu Wasser ebenfalls gut in der Zeit, dass uns sogar ein kurzer Plausch mit der Wasserpolizei inmitten des Kanals möglich erschien. Doch dann: Abrupte Rauchentwicklung, rapide fallende Motorleistung bis hin zum Stillstand. Ohne Richtung trieben wir umher, lediglich der mittlerweile angeworfene Außenborder schien noch auf unserer Seite.

Hilfe nahte aus Nenndorf, in Form der ›Rettefix‹. Notdürftig wurden wir in Schlepp genommen, um auf diese Weise die wenigen verbliebenen Flusskilometer hinter uns zu bringen. Die Dauerbelastung der vergangenen Tage hatte ihren Tribut gefordert: Eine spröde Gummimuffe hatte sich förmlich aufgelöst und damit eine Kühlung unmöglich gemacht.

Kurzentschlossen wurde die Schwabenstolz aus dem Wasser auf den Trailer und von dort auf die Staße gebracht. Hildesheim war nicht mehr weit und mit ihm Unterkunft, weitläufiger ahrzeughalle und Werkbank. Lange nach der Abenddämmerung, und einem ausgiebigen Abstecher zum Baumarkt um die Ecke, erreichten wir schließlich Hildesheim, wo Uli und Veronika uns wohl gelaunt aufnahmen. Auf ein gelungenes und vor allem warmes Abendessen folgte der obligatorische Absacker, mit dem der Tag aber keinswegs beschloßen war. 

Tag 4: Von Datteln nach Bohmte

Der Morgen des vierten Tages in Datteln. Das Ziel des Tages hieß Bohmte.

Die Schwabenstolz befand sich ausnahmsweise in Rufweite, lediglich einen kurzen Fussmarsch entfernt. Nachdem Swen und Theo am Tag zuvor abgereist war, Andreas sich die erste Erkältung der Fahrt zugezogen hatte, verblieb die Bootsführung während beider Tagesstreckenabschnitte bei Jürgen.

Der Tag zuvor hatte einen ersten Vorgeschmack darauf gegeben, was uns für die kommende Zeit noch bevorstehen sollte: Kanalfahrt und Entschleunigung. Der Kontrast zu den Fahrten auf dem Rhein hätte kaum deutlicher ausfallen können, neben die Entschleunigung trat der Umstand einer übersichtlichen, da geradlinigen Kanalführung, und eine vergleichsweise einheitliche Uferansicht.

Auffällig war die Bebauung des Ufers, soweit einsehbar. In unmittelbarer Nähe, zum Teil tiefer gelegen. Diese offenbarte einen scheinbaren Mangel an Tücken des Gewässers, des künstlich angelegten Kanals. Hochwasser schien diesen Landstrichen unbekannt. Ein Schiff- oder gar Bootsverkehr der Vielzahl an Enten auf dem Kanal.

Wir passierten Brücke um Brücke, paralysierten Entenschwarm um Entenschwarm, vollzogen – diesmal erfolgreich – die nächste Schleusung und den teilweisen Austausch der Besatzung. Bohmte bzw. Bad Essen rückte immer näher.

Der kleine Trupp, der auf der Straße die Vorhut bildete war in der Zwischenzeit an seinem Ziel angelangt. Herzlich begrüßt, blieb doch keine Zeit für Stillstand, die Ortsgruppe vor Ort hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen: Eine vorweggenommene Begrüßung der Schwabenstolz durch die OG Obere Hunte mitten auf dem Kanal. Die Kapazität der ›Werner‹ wurde voll ausgenutzt, Chris und Andreas fanden einen Platz neben der Bootsmannschaft, die durch Tobi ergänzt wurde – zu ihm gleich mehr.

Rund 15 Flusskilometer vor Bad Essen trafen die beiden Mannschaften aufeinander, freudig nahm Besatzung und Vierbeiner zu Notiz – auf beiden Booten. Lucy auf der Schwabenstolz, Tobi auf der Werner. Wie sich zeigen sollte, so lag einer der Schwerpunkte der Ortgsruppe bei der Arbeit mit und der Ausbildung von Rettungshunden, die bei der Ortung im Wasser und zu Land zum Einsatz kamen, wie uns Halterin Barbara später erläutern sollte.

Die verbliebene Strecke verging nun im Fluge, voller Freude auf die erste Begegnung auf dem Festland. Nachdem beide Boote in einem Jachthafen in Bad Essen vertäut waren begab man sich gemeinsam in die Unterkünfte im nahe gelegenen Bohmte. Dort angekommen schloß sich, als letzter offizieller Punkt der Tagesordnung, ein Termin mit der [Presse] an, den Roland und Matthias im Vorfeld arrangiert hatten.

Bei Kaffee und Kuchen bzw. einem gepflegten Napf Wasser ergab sich nun ausgiebige Gelegenheit zum gegenseitigen Beschnuppern. Eine Gelegenheit, die insbesonders Lucy und Tobi mit besonderer Begeisterung nach kamen.

Vielen Dank dafür!


Tag 3: Von Köln in Richtung Datteln, nach Datteln

Der Reiz einer solchen Unternehmung, wie der unseren, lag auch in der Ungewissheit begründet, der wir entgegen fuhren. Eine angemessene Reaktion erschien hier oftmals entscheidender als alle Planung, die im Vorfeld erfolgen konnte.

Die Berichterstattung zu den Schleusenstreiks im Vorfeld der Fahrt hatten wir (natürlich) aufmerksam verfolgt. Das Risiko selbst durch einen solchen aufgehalten zu werden zwangsläufig witzelnd-nervös abgetan – bis zu diesem Tag.

Die Besatzung sollte heute vorwiegend aus den Nachgereisten Theo und Swen bestehen, ergänzt durch Chris. Pünktlich mit dem ersten fahrbaren Licht des Tags machten sich diese Drei also von Köln auf in Richtung Datteln. Wir anderen nahmen derweil wieder den Landweg.

Die einzige Eintrübung dieses noch jungen Tages schien zunächst die des Wetters zu sein. Ein grauer Schleier hing über Köln, Düsseldorf und Duisburg.

Die erste unerfreuliche Nachricht des Tages ereilte die Fahrer des Begleittrosses in Datteln. Der obligatorische, rein formelle Anruf zur Vorwarnung der Ortsgruppe hätte für diese kaum überraschender sein können. Trotz aller Belastungen an diesem Tag und dem zuvor hätte die Reaktion Detlefs kaum erfreulicher sein können. Mit einer Vorlaufzeit von rund zwei Stunden organisierte er im Handumdrehen die ach so benötigte, idyllisch gelegene, Übernachtungsstätte.

Die zweite (und dritte) Hiobs-Botschaft ereilte die Besatzung der Schwabenstolz zuerst . Die erwünschte, die geplante Einfahrt in den Rhein-Herne-Kanal blieb ihnen auf unbestimmte Zeit verwehrt. Zunächst fassungslos, erfolgte die Aufklärung: Schleusenstreik. Als Alternative an dieser Stelle die Fahrt über die Schleuse Wesel und den Wesel-Datteln-Kanal. Wie sich zeigen sollte, ein Umweg ins Nirgendwo.

Ein Rückstau von rund 30 Schiffen der Berufsschifffahrt kündigte bereits von Weitem Unheil an. Auch die Schleuse Wesel stand still. Nicht aufgrund eines Streiks, sondern durch technische Probleme. Das Ergebnis war das selbe. Auch hier blieb der Schwabenstolz die Weiterfahrt bis auf unbestimmte Zeit verwehrt.

Nachdem man von böswilligen Verschwörungstheorien vorerst verworfen hatten, kamen wir aus unsere letzte Alternative zurück. Kurzentschlossen warfen wir den Einsatztransit, samt Trailer, und zwei Fahrern in die Waagschale und in Richtung Wesel. Zur Überwindung der Schleuse erschien uns ein zweifaches Slippen an diesem Tag als letzter Ausweg.

Jürgen, Florian und Josef besorgten derweil die persönliche Kontaktaufnahme zu den Kameraden aus Datteln und die Sichtung des Geländes. Wieder gelegen in unmittelbarer Nähe zum Kanal. Wieder umringt von Grün. Und hier wenige Kilometer weiter nördlich zum ersten Mal bei Sonnenschein. Detlef führte uns durch die Quartiere für die Nacht, alsbald trafen weitere Kameraden von Ort ein, die an diesem Tage einmal mehr eine Sportveranstaltung vor Ort betreut hatten. Auch diesen wurde jeweils eine Flasche des mitgeführten Weines überreicht, der sich im Laufe der Fahrt als universelles Verständigungsmittel erwiesen hatte und noch erweisen sollte. Dem schloß sich die fast schon obligatorische Besichtigung der imposanten Fahrzeughalle gegenüber an, sodass zumindest wir drei voll auf unsere Kosten kamen. 

Nachdem Swen und Theo, wie vereinbart, in Wanne-Eickel abgesetzt worden waren, wo diese die vorläufige Rückreise in die Normalität antraten, waren die Vorbereitungen in Datteln bereits weit gediehen. Als letztes Unternehmen an diesem Tag stand der wiedervereinten Rumpftruppe ein gewagtes an: Das Abendessen.


Tag 2: Von Mainz nach Köln (zum Kölner Dom)

Nach letzten Wartungsarbeiten, dem Betanken und der obligatorischen Verabschiedung durch unsere Gastgeber, setzten wir das Banner, starteten den Motor und begaben uns in die Hände des Rheins.

›Wir‹ meinte an diesem Morgen Jürgen, Florian, Chris und nicht zuletzt Swen. Als Spross einer alten Schifferfamilie fand insbesonders Letzterer großen Gefallen an dem Brausen über den Fluss, vorbei an Berufsschifffahrt und imponierender Landschaft.

Man hatte uns am Abend zuvor über Unwegsamkeiten der Strecke gewarnt, ausgestattet mit GPS und spezieller Software zur Navigation auf dem Wasser harrten wir der Dinge, die da kamen.

Eine aufregende Tagesetappe, ganz im Zeichen der Romantik lag vor uns: Der Rhein, samt einer Vielzahl von wagemütig in die Flußtäler gebauten Burgen und Schlößer, der Mäuseturm von Bingen, das Deutsche Eck und schließlich, natürlich, Köln selbst. Die Schleusen lagen hinter, eine freie Fahrt vor uns.

Eine entsprechende Durchschnittsgeschwindigkeit verhinderte vorerst den Einsatz des Wasserkochers und die Aufnahme eines warmen Getränkes an jenem frischen Morgen, entschädigt wurden wir durch den Rhein selbst.

Dann kamen sie: Zu dem Mäandern des Rheins gesellte sich alsbald die angekündigten Verjüngungen. Wir passierten Rheininsel um Rheininsel, bis sie schließlich vor uns lag: Loreley bei Sankt Goarshausen.

Kulturerbe, beliebter Anziehungspunkte für Touristen, Dichter und Träumer bis heute. Weniger beliebt bei der Schifffahrt. Den ganzen Morgen hinweg hatten wir Transport- und Touristenschiffe passiert. Ausgerechnet an dieser Stelle fehlte diese Möglichkeit an Orientierung. Nur wir »Schiffer im kleinen Schiffe«, allein auf schmaler Flur.

Koblenz vor uns und damit das Deutsche Eck. Seines zeichens eine künstlich aufgeschüttete Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein, samt monumentalen Reiterstandbild, der Kaiserzeit entstammend.

Ein weiteres Highlight stand uns an diesem Mittag noch bevor. Der stets wache Blick auf das GPS hatte uns verraten, dass in unmittelbarer Nähe ein Yachthafen vor uns lag. Samt Wassertankstelle und Möglichkeit zur Rast, Einkehr und Übergabe des Boots. Nach ausreichender Stärkung und ungewohnt warmen Temperaturen, die gefährlich zum weiteren Verweilen einluden ging es dennoch weiter.

Swen verharrte eisern an Bord der Schwabenstolz, Andreas, Josef und Sascha stießen zu ihm und der Rest vor uns machte Kilometer auf den Straßen nach Köln gut. Ziel zu Land waren die Poller Wiesen in Köln Polln, Ziel zu Wasser ein Rheinauhafen, unterhalb des Stollwerck-Schokoladenmuseums. Ein gutes Zeichen.

Während sich die Schwabenstolz über Andernach und Bonn dem genannten Ziel näherte wurden wir derweil von Petra und Ute, samt Mündel, in der Wachstation vor Ort in Empfang genommen. Vor uns riesige Flächen an Grün und der Rhein, gegenüber, geradezu lockend nah (mehr dazu später) der Dom. Gut beheizte Räumlichkeiten, eine frisch gebrühte Kanne Kaffee und natürlich der Charme des Empfangskomitees liesen die Herzen höher schlagen, sodass die Zeit bis zur Ankunft des Boots verflog.

Für den Abend war die fast zwangsläufige Einkehr in einer der vielen Brauhäuser in unmittelbarer Nähe vorgesehen. Wie schon am Abend zuvor, traf die personelle Verstärkung zeitlich passend zu dem ein oder anderen Glas Kölsch ein. Hier: Theo und seine Zwillingsschwester, die als Anwohnerin über ausgezeichnete Ortskenntnisse verfügte.

Im Laufe des Abends wurden nun zweierlei Pläne geschmiedet. Zum einen durch Theo, der vom allgegenwärtigen Reisefieber (die Grippewelle innerhalb der Gruppe setzt erst den Tag darauf ein) angesteckt wurde. Der Verweis auf das mitgeführte, zweite Boot wirkte wie geplant, als Lockmittel, sodass am Ende des Abends zu dem ursprünglich kurzen Intermezzo Theos seine Zusage zur Fahrt durch Berlin kam.

Auch Josef war derweil ins Grübeln geraten, auch ihn hatte die Passion übermannt. Nach der Rückkehr zur Unterkunft machte er sich, gemeinsam mit Mira und Kameratasche auf zur Erkundung des scheinbar so nahe gelegenen Doms und der Kölner Innenstadt.

 

Tag 1: Von Gundelsheim nach Mainz

Gundelsheim am Lauer, halb Acht in der Früh. Die wochenlange Planung und Vorbereitung für die Fahrt standen spätestens jetzt, mit dem Fahrtbeginn, auf dem fortwährenden Prüfstand. Mit Andreas, Sascha und Josef machte sich der erste Dreiertrupp auf dem Neckar auf in Richtung Ziel, in Richtung Heidelberg. Ganze 9 Schleusen lagen allein während des ersten Streckenabschnitts an diesem Tag allein vor uns. Noch befand man sich in bekannten Gefilden, sodass eine Verständigung mit den jeweiligen Wärtern bereits im Vorfeld erfolgt war. Und dennoch kostete jeder einzelne Schleusenvorgang Zeit. Kostbare Zeit. Die malerische Landschaft (bei verhaltenem Wetter) und das noch satte Röhren des Außenborders musste den Dreien vorerst Lohn genug sein. Sanft lächelnd wurde die Technik an Bord in Beschlag, der erste Kaffee an Bord des Bootes gebraut, bei den beruhigenden Klängen des ebenfalls mitgeführten Radios.

Mit zeitlichem Abstand machte sich auch die zweite Dreiertruppe auf den Straßen durch die Neckartäler auf. Jürgen, Florian und Chris in Begleitung durch die beiden Hundedamen Lucy und Mira. Ziel war Heidelberg, auf dessen Höhe man die erste Rotation, den ersten Besatzungswechsel zu vollziehen gedachte.

Nach erfolgter Rückmeldung per Telefon wurden am Flussufer die nötigen Vorbereitungen für den Wechsel getroffen. Notwendige Habseligkeiten, Technik und Verpflegung bereit gelegt und die Bekleidungszeremonie eröffnet. Zur Erklärung: Noch am selben Morgen, waren die bereits lang ersehnten Schwimmwesten eingetroffen – für unsere beiden vierbeinigen Begleiter. Die neonfarbenen Westen sorgten bei diesen beiden nur für kurze Zeit für Irritationen. Die zweite Dreiergruppe, nun ergänzt, durch die zuerst noch leicht verdutzte Lucy, sollten den zweiten Streckenabschnitt absolvieren.

Anders als auf dem Streckenabschnitt zuvor konnte die ›Schwabenstolz‹ nun zeigen, was in ihr steckte. Der Wechsel erfolgte später als gedacht, gegen halb vier. Ein großer Teil der Tagesetappe lag noch vor uns. Eine Nachtfahrt in endgültig unbekannten Gewässern wollte vermieden, ein vereinbarter Termin mit der Mainzer Tagespresse wahrgenommen werden. Die Städte flogen nur so an uns vorbei, Worms und das Hagendenkmal winkte, und der Sitzeplatz im Innern der Kajüte verwandelte sich im Nu zum fortwährenden Schleudersitz. Gute Voraussetzungen um Flusskilometer nach Mainz gut zu machen. Weniger gute um die gut gemeinte Wegzehrung in Form von Sahnetorte zu verzehren oder eine Kommunikation mit der Außenwelt. Die Temperatur fiel mit dem Untergang der Sonne.

Angekommen in Mainz stand einer herzlichen Aufnahme durch die Ortsgruppe vor Ort nichts mehr im Wege. Die Fahrt und der Bezug des Nachtquartiers erfolgt im Nu. Unser siebtes Mitglied Swen traf zeitnah zu der mittlerweile georderten Pizza ein, sodass einem geruhsamen Ausklang bei einem Glas mit unseren Gastgebern nichts mehr im Wege stand.